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Aus der Vereinsgeschichte:
6. die dreißiger und vierziger Jahre

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In den dreißiger und vierziger Jahren standen die Programme und die Solisten- oder Ensemble-Engagements im Zeichen der Politik. Die vielen jüdischen Musiker, die bis dahin durch Jahrzehnte das Niveau des Vereins entscheidend mitprägten, konnten nicht mehr eingeladen werden. Diese brutale Einflußnahme der Politik ließ sich nur schwer auffangen. So gab es 1933 auch ein letztes Konzert mit dem alten Guarneri-Quartett.

 

Immerhin - ein Walter Gieseking war da und spielte oft, Elly Ney nicht minder. Es kamen die Pianisten Cortot, Wührer, Eduard Erdmann, Then-Bergh, Edwin Fischer, Kempff. Paul Hindemith konnte anfangs der dreißiger Jahre als Bratschensolist gewonnen werden. Bei den Gesangssolisten wären zu nennen: Maria Ivogün, Gertrude Pitzinger, Karl Schmitt-Walter, Karl Erb, bei den Geigern die Bustabo, Prihoda, erstmals – mit Gieseking als Partner - Georg Kulenkampff, der bis Kriegsende noch öfters kam.

 

 

Wie schon erwähnt, spielten oft das Strub-Quartett oder Max Strub mit dem Elly-Ney-Trio, bei den Violoncellisten wäre der berühmte Gaspar Cassado zu nennen.

Neue Ensembles kamen, die dem Verein auch nach dem Krieg treu blieben: das Quartetto di Roma, das Schneiderhan-Quartett aus Wien und dann sehr oft - erstmals 1938 und sogar mit einer Fortner-Erstaufführung - das Stross-Quartett.

Nach 1945 verstummte der Verein vorerst. Es fehlte an einer Lizenz zur Veranstaltung von Konzerten. Mühsam erkämpfte man sie sich, gab erst einzelne Konzerte. Dr. Caspari gelang es als Vorsitzendem, die - durch die Währungsreform noch verstärkte - Krise zu überwinden, obgleich die Abonnenten-Zahl zurückging. Doch mit markanten Konzerten ging es von 1947 an langsam aufwärts.

 

Ab Januar konnte man bis zur Währungsreform 1948 zehn Konzerte veranstalten, von denen drei als besondere Höhepunkte gewertet wurden, die drei Musikern zu danken waren. Sie gehörten zu jenen Künstlern, die während des Krieges und in der Zeit danach Konzert- und zum Teil auch Wohnmöglichkeiten gefunden hatten im Rüdesheimer Haus von Dr. Carl Jung, seit Jahrzehnten Vorstandsmitglied im Verein. Daraus ergab sich manches Konzert in Wiesbaden.


Trio Gieseking - Taschner - Hoelscher

Ein besonderes Ereignis war eine Sonaten-Matinee mit Ludwig Hoelscher und Walter Gieseking, die in Anwesenheit des Komponisten Wolfgang Fortner dessen Sonaten für Violoncello und Klavier erstmals zu Gehör brachten.

Einige der erwähnten Werke waren neben anderen 1947/48 von den drei Musikern im Hessischen Rundfunk eingespielt worden, darunter die Sonaten von Gieseking und Fortner. Der hr hat die Bandaufnahmen inzwischen für eine CD-Reproduktion „Bayer Dacapo" BR 200031 und 200032 zur Verfügung gestellt. Wolfgang Fortner war in Rüdesheim oft mit den Künstlern zusammen und studierte gern seine Werke mit ihnen ein (so auch mit Gerhard Taschner sein diesem Geiger gewidmetes Violinkonzert).

Zwei Wochen vor der Sonaten-Matinee fand ein ungewöhnliches Konzert statt mit dem Köckert-Quartett, in dem als Erstaufführung Hindemiths 6. Streichquartett gespielt wurde - von der Presse stark beachtet:

Der Verein der Künstler und Kunstfreunde hatte das Köckert-Quartett für eine Morgenveranstaltung gewonnen. Die Homogenität dieses Klangkörpers (Rudolf Köckert und Willi Buchner, Violinen, Oskar Riedl, Viola, Josef Merz, Violoncello) ist beglückend. Zauberhaft in idealer Nuancierung erklang Josef Haydns Streichquartett G- dur (op. 77). Vollendet war die Ausdeutung des Streichquartetts As-dur (op. 105) Anton Dvoraks, des elementar aus Volkstanz und Volkslied schöpfenden tschechischen Meisters. Die beherrschte Wiedergabe des Streichquar- tetts VI (Erstaufführung) von Paul Hindemith ließ deutlich werden, daß des Komponisten Zurückgreifen auf alte imitatorische Formen den Weg zum formalen Verständnis seines Schaffens ebnet. Die hervorragenden Künstler beantworteten den überaus stürmischen Applaus sublim mit, dem Quartettsatz c-moll aus Franz Schuberts Nachlaß.

Dieses Ensemble spielte noch viele Male im Verein - später mit Rudolf Koeckert jun. als Primarius in neuer Besetzung.

Die hier dokumentierten besonderen Veranstaltungen erleichterten dem Verein den Neubeginn; sie wurden 1949 fortgeführt, wieder verbunden mit Konzerten guter Ensembles wie z. B. dem Köckert-Quartett sowie mit Liederabenden (Henny Wolff mit Hermann Reutter, Lore Fischer mit Rudolf Nel). Nach einem Konzert im März 1949 hieß es im "Wiesbadener Kurier":

Walter Gieseking spielt
Hatte es der kürzlich veröffentlichte Aufruf des Leiters des Vereins der Künstler und Kunstfreunde bewirkt, oder die Erinnerung an die sensationelle Amerikareise oder war es einfach die Anziehungskraft eines berühmten Künstlernamens - die Klavier-Matinee Walter Giesekings im Walhalla-Theater fand vor ausverkauftem Hause statt.

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