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Aus der Vereinsgeschichte:
5. die zwanziger Jahre

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Die zwanziger Jahre machten dem Verein anfangs erhebliche Probleme. Ein Vereins-Vermögen war nicht vorhanden. Gewaltige gesellschaftliche Umwälzungen ließen sich auch bei diesem in sich so gefestigten Verein nicht verleugnen. Das erstmals deutliche Ansteigen der Künstler-Honorare zwang dazu, nicht immer nur die besten Musiker zu verpflichten. Man begann zu lavieren, suchte nach einer neuen finanziellen Grundlage. In den Mitteilungen mit der Vorschau auf die Saison 1920/21 erfuhren die Mitglieder des Vereins, daß „auf Antrag des Vorstandes folgender Beschluß gefaßt worden" sei:

„Mit Rücksicht auf die außerordentlich gesteigerten Unkosten - Honorare der Künstler, Erhöhung der Saalmiete um 100%, Druck- und Inseratgebühren usw. - wird für dieses Vereinsjahr der Mitgliedsbeitrag auf 30 Mark festgesetzt." Es gab mancherlei Schwierigkeiten. Zudem war es anfangs nicht einfach, junge Menschen anzuziehen, die sich neuen Arten von Konzerten zu widmen schienen.

Zur Feier des 50jährigen Bestehens versuchte man mit einer imponierenden Mammut-Veranstaltung, neues Publikum anzulocken. Vom 12. bis zum 18. Mai 1922 gab es eine „Übersicht über die deutsche Kammermusik und das deutsche Lied" mit zehn Programmen, jeweils in einem Morgen- und einem Abendkonzert. In dieser Zeit wagte man sich zunächst aber nicht mehr an zeitgenössische Musik heran. Paul Graener und Max Reger waren die „Jüngsten". Experimentelle Werke standen nicht mehr zur Diskussion. Das Gewandhaus-Quartett war der einzige hervorragende Interpreten- Name. Die Zeitungen berichteten ausführlich über diese Festveranstaltungen und bestätigten, daß das Ensemble aus Leipzig mit der Aufführung sämtlicher in den Programmen enthaltenen Streichquartette für wertvolle Kammermusik sorgte. Ende der zwanziger Jahre hatte man wieder Tritt gefaßt und erneut mit neun Konzerten in guter Besetzung aufwarten können.


Gewandhaus Quartett

In einem Pressebericht über die Generalversammlung am 23. Mai 1929 wurde hervorgehoben, daß der Verein Programme ohne die geringste Konzession an den schlechten Geschmack zu erschwinglichen Preisen bieten wolle: „Außer den berühmtesten Streichquartettvereinigungen werden als Solisten nur allererste Kräfte von Weltruf auftreten. Der Vorstand wird demnächst zur Freude aller Kunstfreunde ein Programm veröffentlichen können, das den künstlerischen Ruhm des Vereins in ganz besonderem Maße rechtfertigt", hieß es am Schluß.

Quartette kamen 1928-33 u.a. aus Wien (Rose), Prag (Zika), Berlin (Guarneri) und Stuttgart (Wendling), Solisten aus Wien (Moriz Rosenthal) oder Köln (Eduard Erdmann, der begnadete Schubert-Interpret, der immerhin den jungen Krenek "einschmuggelte"). Die Geigerin Alma Moodie spielte - mit dem bekannten „Begleiter" Michael Raucheisen - auch Strawinsky und Szymanowski. Das Publikum kam verstärkt zurück und die Zustimmung war eindeutig. Man wußte wieder, daß „jener vornehmste und intimste Zweig der Tonkunst, die Kammermusik, berufen ist, in jedes der Musik zugängliche Herz tiefste, innerliche Erbauung zu tragen", wie es im Jahresbericht hieß. So konnte man es 1931 auch wagen, erstmals ein Schönberg-Quartett erklingen zu lassen - allerdings gab es bereits 1925 eine ungewöhnliche Veranstaltung mit einem Werk dieses Komponisten:

5. Konzert Montag, den 23. November
PIERROT LUNAIRE von Arnold Schönberg
Die Mitwirkenden: Leitung Kapellmeister WALTER HERBERT, Sprechstimme Fr. Kammersängerin MARIE GUTHEIL- SCHODEK, Klavier ELSE C. KRAUS, ferner Mitglieder des Theater- und Gewandhausorchesters in Leipzig

Weiter kam es auch zur Erstaufführung von Quartetten Dvoraks und Janaceks. Bei den Interpreten konnte zweimal das Kolisch-Quartett mit seiner fast avantgardistischen Art zu erstaunlichem Erfolg kommen. Und Claudio Arrau kam zum ersten Mal nach Wiesbaden:

Samstag, 12. Januar 1929
Herr CLAUDlO ARRAI-1(Klavier)
Scarlatti, Bach, Chopin, Liszt.

In einer Rezension hieß es, er sei "zu einem jungen Meister seiner Kunst gediehen, den man nur rückhaltlos bewundern kann! Ein Ausdruckskünstler vornehmster Bildung: aufs Virtuose, Elegante und Brillante ebenso sicher eingestellt wie aufs Gedankliche, Gefühlsmäßige und geistige Element des Spiels.. Und zu alledem dieser trotz all seiner Siege so einfach und bescheiden auftretende Künstler: er wurde von Künstlern und Kunstfreunden' mit Recht enthusiastisch gefeiert."

1931 kam Arrau wieder, und noch einmal im Oktober 1938. Sein Konzert am 16. Februar 1941 mußte er zwangsläufig absagen. Schon 1927 spielte Walter Gieseking erstmals im Verein.

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