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Fünftes Konzert
No. 1209 der Gesamtreihe
Dienstag, 26.2.2013, 20.00, Herzog-Friedrich-August-Saal, Friedrichstraße 22, Wiesbaden

Orbis Trio

Petra Vilankova, Violine
Petr Malisek, Violoncello
Stanislav Gallin, Klavier
 
Johannes Brahms
(1833-1897)
Klaviertrio Nr. 3 c-Moll op. 101
Allegro energico
Presto non assai
Andante grazioso
Allegro molto
 
Bohuslav Martinu
(1890-1959)
Klaviertrio Nr. 2 d-Moll H327
Allegro moderato
Andante
Allegro
 
Pause
 
Max Reger
(1873-1916)
Klaviertrio e-Moll op. 102
Allegro moderato, ma con passione
Scherzo (Allegretto)
Largo
Allegro



Komponisten und Werke

Moll, das könnte das Verbindende der Werke des heutigen Abends sein, denn alle drei heute erklingenden Trios für Klavier, Geige und Cello sind in einer Molltonart verfasst. Das passt vielleicht auch zur nicht enden wollenden trüben Jahreszeit. Nichtsdestotrotz werden wir einen Abend voller Spannung durch den Kontrast reifer Werke charakterstarker Komponisten verbringen!
Die zweite Gemeinsamkeit der Trios liegt in ihrer Entstehungszeit innerhalb der Schaffensbiographie ihrer Komponisten. Alle drei hatten in jüngeren Jahren ein erstes Klaviertrio verfasst, Brahms 1854 sein op. 8, Reger 1891 sein op. 2 und Martinů 1930 (H193). Und alle drei wandten sich erst am Ende ihrer Schaffenskraft wieder dieser besonderen kammermusikalischen Form zu; Lebenserfahrung und Konzentration prägen nun die Werke.

Brahms, Klaviertrio Nr. 3 c-Moll op. 101 (1886)

1883 hatte Brahms seine 3. Symphonie in Wiesbaden geschrieben – und bei der Gelegenheit auch Konzerte in der Reihe unseres Vereins gegeben. In den folgenden beiden Jahren vollendete er seine 4. und letzte Symphonie und wandte sich nun wieder kleineren Instrumentierungen zu, vielleicht der Quintessenz seiner musikalischen Vorstellungen. Im Sommer 1886 entstanden am Thuner See mehrere Werke für Klavier und Streichinstrument: erst die Cellosonate op. 99, dann die Violinsonate op. 100, dann sein Klaviertrio op. 101, schließlich noch die Violinsonate op. 108, im Jahr darauf folgte das Doppelkonzert: "Es ist, als ob das Klavier sich zuerst die große (op. 99), dann die kleine Geige (op. 100) eingeladen und dadurch erst recht Lust bekommen hätte, es mit den beiden zugleich zu versuchen (op. 101); worauf dann die zwei auf den Gedanken gekommen wären, sich ihrerseits unabhängig zu machen und gleich darauf (op. 102) ein Doppel­ konzert mit Orchester zu veranstalten.“ (Alfred Ehrmann)

Das Werk selbst stellt einen Höhepunkt in der Entwicklung des Genres Klavier­trio dar und wurde von Brahms’ Umgebung auch so wahrgenommen. Die Freundin Clara Schumann notierte: "Noch kein Werk von Johannes hat mich so ganz und gar hingerissen.“ Und die Kunstförderin und Pianistin Elisabeth von Herzogenberg schrieb ihm nach ersten Proben mit Joseph Joachim und Robert Hausmann: "Etwas, wie dieses Trio, in allen Teilen so vollendet, so leidenschaftlich und so maßvoll, so groß und so lieblich, so knapp und so beredt, ist überhaupt wohl selten geschrieben worden“. Es sei "besser als alle Photographien und so das eigentliche Bild von Ihnen.“ Das 4 Jahre zuvor fertiggestellte 2. Klaviertrio erscheint demgegenüber deutlich unreifer.

Bohuslav Martinů: Klaviertrio Nr. 2 d-Moll H327 (1950)

Brahms’ drittes Klaviertrio war sein letztes, aber die Möglichkeiten dieser Gattung waren damit keinesfalls ausgeschöpft. Stand Brahms schon zu Lebzeiten in Konkurrenz zu den »Neudeutschen“ um Liszt und Wagner, so entwickelten andere nach ihm musikalisches Neuland. Zu ihnen gehörten Reger und Martinů. Der Tscheche, wie Reger aus bildungsfernem Haushalt stammend, lernte nach der Entdeckung seines Talents bei Josef Suk Geige und wurde Musiklehrer und Geiger in der Tschechischen Philharmonie. Mit über 30 Jahren setzte er sein Kompositionsstudium in Paris fort und geriet so in Kontakt mit der dortigen Musikszene. 1940 floh Martinů in die USA, wo auch sein 2. Klaviertrio entstand. Drei Kulturen prägten den Komponisten und so finden sich in den späteren Werken neben folkloristischen Elementen aus der Heimat Einflüsse aus Neoklassizismus, Jazz und Diatonik. Das Auftragswerk ist ein mystisch-folkloristisches Spiel aus Rhythmik, Lyrik und Klang und führt uns in eine neue musikalische Dimension.

Max Reger: Klaviertrio e-Moll op. 102 (1908)

Wie Brahms hatte auch Reger ein besonderes Verhältnis zu Wiesbaden. Er führte hier Kammerkonzerte in der Reihe unseres Vereins auf und hatte schon 1891 an seinem ersten – nicht ganz vollendeten – Klaviertrio op. 2 in Wiesbaden gearbeitet. Als Komponist stand er zwischen den Schulen und war doch der Brückenbauer zwischen 19. und 20. Jahrhundert. Das wussten seine Zeitgenossen, besonders die später stärker im Rampenlicht stehenden Komponisten der Neuen Wiener Schule. Hindemith sah sich ohne Reger überhaupt nicht existent, Schönberg führte seine Werke auf, Busoni hielt ihn für den größten lebenden Komponisten. Und die Interpreten wetteiferten nach der Jahrhundertwende regelrecht darauf, ein neues Werk von Reger uraufzuführen. So eilte er 1907 nach ausgiebigen Konzertreisen, die Hiller-Variationen für Orchester op. 100, das Violinkonzert op. 101 und schließlich das Klaviertrio op. 102 fertigzustellen, um die vereinbarten Uraufführungstermine zu halten. Fast an Mozart erinnert die Beschreibung seiner Arbeitsweise am Trio: Ständig unterbrochen durch Konzerte und die anderen Uraufführungen, zusätzlich belastet durch den Krankenhaus­aufenthalt seiner Frau, schreibt er das Werk vor allem nachts. Und schafft dabei eine seiner komplexesten Architekturen von Skepsis und Burleske, von Widerspruch und Synthese, die eine extreme spielerische Herausforderung für die Interpreten bedeutet. Selten wagen sich Ensembles an dieses Werk. Abschließend wollen wir nicht unerwähnt lassen, dass sich in unserer 140. Jubiläumssaison seinerseits Max Regers Geburtstag zum 140. Mal jährt. Und Brahms würde in gut 2 Monaten 180 Jahre alt.


Das Orbis Trio

zählt zu den erfolgreichen jungen Kammermusik-Ensembles. Das 2008 gegründete Trio wurde schon ein Jahr später bei vier internationalen Wettbewerben ausgezeichnet; mit dem 1.Preis beim »Premio Anguissola Scotti« inVal Tidone / Italien und einem weiteren 1. Preis beim 5. Internationalen Johannes Brahms KammermusikWettbewerb in Gdansk / Polen. Weitere Preise erhielt dasTrio beim »Internationalen KammermusikWettbewerb in Hamburg« und beim »Gianni Bergamo Classic Music Award Competition«. 2010 erhielt das Orbis Trio die Jahresauszeichnung der Tschechischen Gesellschaft für Kammermusik, den Titel »Laureates« beim BohuslavMartinuo Wettbewerb, den Preis für die beste Interpretation eines Werks von BohuslavMartinu o sowie den Preis des Prager Frühling Festivals.

Die Mitglieder des Trios vervollständigen ihr Können und ihre musikalische Erfahrung bei führenden Künstlern wie Josef Suk, Ivan Klansky (Guarneri Trio), Vaclav Bernasek (KocianQuartett), Daniel Veis (PragerTrio) und Ivan Moravec. Das Orbis Trio konzertiert in zahlreichen Ländern, es wurde u.a. eingeladen zu den »Festspielen Mecklenburg-Vorpommern«, dem »Prager Frühling Festival«, dem »Val Tidone Festival«, zu »Suk´sMusical Stirin«, dem »Chopin´s Festival«, dem »Young Prague«, der »Euro Art Prag«, dem »Bad Schandauer Musiksommer«, der »Mozartiana Juventus« sowie zu weiteren Kammermusik-Konzerten. Mit dem Norddeutschen Rundfunk wurden Werke von Haydn, Dvorˇak und Mendelssohn Bartholdy aufgezeichnet. 2011 folgte der erste Auftritt im Rudolfinums in Prag. Mit mehreren Orchestern spielte das Trio außerdem sehr erfolgreich Beethovens Tripelkonzert.